Haiterbach
DIE HERRSCHAFTSVERHÄLTNISSE IM MITTELALTERLICHEN
HAITERBACH
Man datiert bislang die Ersterwähnung des Ortes Haiterbach auf das Jahr 1099.
In diesem Jahr fand in Rottweil unter dem Vorsitz des Herzogs Berthold II. von
Zähringen die Bestätigung der Alpirsbacher Klostergründung von 1095 statt. In
dieser Urkunde ist unter zahlreichen Zeugen ein "Waltherus de Heitirbach"
erwähnt, der als ältester bekannter Ortsherr betrachtet werden muß. Da die
genannte Urkunde von 1099 nur die Klostergründung von Alpirsbach von 1095
bestätigt und die daran Beteiligten aufzählt, müßte man die erste Nennung
Walthers von Haiterbach korrekterweise bereits auf 1095 beziehen.
Aber diese "Sophisterei" der Fachhistoriker zeigt nur, wie kompliziert die
Quellen dieser Zeit gelegentlich zu interpretieren sind und wie schwierig es
manchmal ist, den Zeitpunkt der Ersterwähnung eines Ortes exakt zu bestimmen. Da
Walther von Haiterbach in den Jahren 1095/1099 sicherlich ein gestandener Ritter
gewesen ist, der auch früher schon in Haiterbach residierte, spricht nichts
dagegen, irgendeines dieser Jahre herauszugreifen, um an die Existenz des Dorfes
Haiterbach in den 90er Jahren des 11. Jahrhunderts zu erinnern.
Siedlungsgeschichtlich betrachtet ist der Ort Haiterbach ohnehin deutlich älter,
ohne daß sich allerdings ein "Gründungsdatum" abgeben ließe.
Es wird nicht klar, in wessen Diensten der genannte Walther von Haiterbach
stand. In Betracht kommt vielleicht jener Graf Alwig von Sulz, der zum
Stifterkreis des Klosters Alpirsbach zählte, oder aber bereits die Pfalzgrafen
von Tübingen, die zweihundert Jahre später tatsächlich als Ortsherren von
Haiterbach in Erscheinung treten. Ein Berthold von Haiterbach war 1244
Dienstmann der Tübinger Pfalzgrafen. Bereits um 1230 lebten ein Volmar,
Dietrich, Albert und Eticho von Haiterbach und geben zu erkennen, daß diese
niederadlige Geschlecht in der spätstaufischen Zeit eine ziemlich verzweigte
Familie gewesen sein muß.
Trotz dieses Hinweises ist es bisher nicht gelungen, einen Zusammenhang
zwischen dem Walther von Haiterbach von 1099 und den erst 130 Jahre später
genannten Herren von Haiterbach herzustellen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit muß
man den hochadligen Walther von Haiterbach aus der Zeit um 1100 genealogisch von
den späteren Trägern dieses Namens abkoppeln. Die jüngeren Herren von Haiterbach
entstammten wohl eher einem niederadligen Dienstleutegeschlecht, das von den
Pfalzgrafen mit Burg und Dorf Haiterbach belehnt war. Im übrigen ist es diesen
jüngeren Herren von Haiterbach wie zahlreichen Standesgenossen im
Spätmittelalter ergangen. Die gesellschaftlichen Umbrüche und die
wirtschaftlichen Krisenerscheinungen dieser bewegten Zeit ließen den Einfluß und
die Bedeutung des Geschlechts bald schon sinken. Spätestens um 1400 hatte das
Geschlecht seinen adligen Status verloren.
Ihre Glanzzeit erlebten die Herren von Haiterbach dagegen am Ende des 13.
Jahrhunderts, als sie in den Sog des gesellschaftlichen Aufstiegs ihrer neuen
Herren, der Grafen von Hohenberg gerieten. Durch eine Hochzeit zwischen
Mechthild, Tochter des Pfalzgrafen Rudolf II. von Tübingen, mit Burkhard III.
von Hohenberg gelangten Nagold und Haiterbach bald nach 1237 in den Besitz des
mächtigen Grafengeschlechts von Hohenberg. Damals wurden auch die Herren von
Haiterbach in die Schar der hohenbergischen Dienstleute aufgenommen.
Den Zenit ihrer Macht erlangten die Hohenberger gegen Ende des 13.
Jahrhunderts, als Gertrud von Hohenberg, die Tochter Burkhards III, als Gattin
Rudolfs von Habsburg 1273 deutsche Königin wurde. Im Zuge dieses
gesellschaftlichen Aufstiegs erfaßte auch die Brüder der Königin eine spürbare
Aufbruchstimmung. Es war sicherlich Burkhard IV. von Hohenberg, der damals das
Dorf Haiterbach zur Stadt erhoben hat. Als wahrscheinlichsten Zeitraum wird man
die Jahre zwischen 1270 und 1290 annehmen dürfen. Möglicherweise war die
Stadterhebung im Jahr 1277 bereits abgeschlossen, als Graf Burkhard IV. einmal
von seinen "cives in Haiterbach" (Bürgern in Haiterbach) sprach. Die regelmäßige
Anlage der Stadt, der Bau der Stadtmauer mit drei Toren (Unteres und Oberes Tor
und Waldtor) dürfte in die letzten Jahrzehnte des 13. Jahrhunderts
zurückreichen.
Ein gewisses Rätsel geben Zweck und Funktion dieser Stadtgründung auf. Sein
bis heute gültiges Marktrecht erhielt Haiterbach bekanntlich erst vor 400 Jahren
im Jahr 1597. Das zentrale Merkmal einer mittelalterlichen Stadt, die
Marktfunktion, war also bei der Stadterhebung um 1280 nicht gegeben, es sei
denn, man wollte ein älteres Haiterbacher Marktprivileg annehmen, das dann im
Laufes des Mittelalters wieder eingegangen oder aber der Stadt entzogen worden
wäre. Es scheint allerdings so, daß Haiterbach als Burgstädtchen im
territorialen Gefüge der Herrschaft Hohenberg eher eine militärisch-strategische
als wirtschaftliche Funktion gehabt hätte. Jedenfalls erlebten die Herren von
Haiterbach zu Beginn des 14. Jahrhunderts als hohenbergische Vögte über die
junge Stadt vorübergehend eine Statuserhebung.
Der Stern der Herren von Haiterbach scheint dann mit dem der Grafen von
Hohenberg gesunken zu sein. Erbschaftsteilungen und die üblichen
wirtschaftlichen Schwierigkeiten zwangen die Hohenberger im Laufe des 14.
Jahrhunderts in den Reigen jener hochadligen Familien, denen nur noch der
allmähliche Ausverkauf ihrer Herrschaften übrig blieb. Hatte Graf Otto II. von
Hohenberg seiner Gattin Irmengard von Werdenberg 1349 von 200 Gulden jährlich
aus den Einkünften der Stadt Haiterbach verschrieben, so war er schon 14 Jahre
später gezwungen, seine Herrschaft an den mächtigen Nachbarn, der sich damals
breit machte, zu veräußern. Am 23.Juni 1363 verkaufte Otto II. von Hohenberg die
gesamte Herrschaft Nagold mit Haiterbach an die Grafen Eberhard und Ulrich von
Württemberg um 25 000 Gulden.
zur Hompage der Stadt Haiterbach
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