Ausbildungsabgabe - Eine Steuer, die der
Sache nicht dient
In einem Interview mit dem
Schwarzwälder Boten nimmt unser stellvertretender Landesvorsitzender zur
Ausbildungsabgabe Stellung. Dieser wurde am 13.11.03 wie folgt
abgedruckt:
Ausbildungsplatzabgabe stößt auf Ablehnung
Kreis Calw. In Berlin macht die Regierung gerade den Weg frei für
eine Ausbildungsplatzabgabe. Eigentlich soll diese die Unternehmen
dazu bringen mehr auszubilden. Doch Unternehmer aus dem Kreis Calw
lassen auf Anfrage kaum ein gutes Haar an der geplanten Abgabe.
„Es ist im Grunde eine Steuer, die der Sache überhaupt nicht dient“,
urteilt Rolf Benz, Vorsitzender des Nagolder Vereins zur Förderung
des gewerblichen Nachwuchses. Vielmehr würde diese „Strafsteuer zu
einer allgemeinen Veränderung“ führen, ohne dass ein einziger
Ausbildungsplatz geschaffen werde: „Bislang ist kein Wort darüber
gefallen, was mit diesem Geld passiert. Ob es in eine qualitative
Verbesserung der Ausbildung investiert wird oder ob damit Herr
Eichel irgendwelche Löcher stopfen will.“
„Das wird ein Schuss in den Ofen“, prophezeit Ulrich Kallfass, Chef
der CDU- Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung im Kreis Calw:
„Manche Unternehmen werden über eine solche Abgabe so verärgert
sein, dass sie aus Protest nicht mehr ausbilden werden. Mit
Sicherheit wird durch eine solche Abgabe kein einziger zusätzlicher
Arbeitsplatz geschaffen.“
„Natürlich halte ich von einer solchen Abgabe gar nichts“, sagt Karl
Braun, Chef einer Schreinerei in Haiterbach und Kreisvorsitzender
der Liberalen Initiative Mittelstand: „Die Ausbildungsmisere liegt
in erster Linie an der schlechten wirtschaftlichen Situation. Wenn
die Unternehmen kein Geschäft haben, bilden sie eben auch nicht
aus.“ Wie schwer es ist einen Ausbildungsplatz zu besetzen, darüber
kann Karl Braun ein Lied singen: „Wenn heute ein Bewerber kommt“
sagt der Schreinermeister, „kann er gleich anfangen.“
„Wir sind von einer solchen Abgabe nicht betroffen, weil wir bei 190
Beschäftigten 43 Auszubildende haben“, konstatiert Ernst- Jürgen
Wackenhut sen., Geschäftsführer des Nagolder Autohauses AHG
Wackenhut. Von den Plänen der SPD hält er aber wenig: „Die
Regulierungswut dieser Regierung ist durch nichts mehr zu
übertreffen.“ Diese Ausbildungsabgabe mache deswegen keinen Sinn,
weil die Unternehmen, die man damit treffe, gar nicht mehr in der
Lage seien, die Kosten für eine Ausbildung zu tragen.
Fritz Schroth, der Chef der Kassenhandwerkskammer, spricht gar von
einer Diskriminierung des Handwerks. „Es ist niemand der
gesellschaftlichen Verpflichtung auszubilden mehr nachzukommen, als
das Handwerk“, sagt Schroth. Das Handwerk hätte trotz schlechter
Auftragslage nur zwei Prozent weniger Lehrstellen angeboten als
2002.
„Es ist die absolute Notwendigkeit der Unternehmen auszubilden“,
erklärt Detlef Jenkner, Geschäftsführer der Holzma. „Es ist traurig,
dass man überhaupt drohen muss. Aber eine Abgabe halte ich für
sinnlos, weil die, die nicht ausbilden, sich auch nicht durch Geld
dazu bewegen lassen werden“. Er meint, dass Ausbildung
volkswirtschaftlich und nicht innerbetrieblich gesehen werden muss.
|
|
zurück
|