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In der Abwärtsspirale?

Sicher: Deutschland ist noch immer ein reiches Land. Dennoch:
Wer genauer hinschaut, sieht freilich, dass quer durch die Republik längst das Geld fehlt, um jene Sachwerte auf Dauer zu bewahren, die in den ersten Nachkriegsjahrzehnten geschaffen wurden. Vor allem den Städten und Gemeinden, die hinsichtlich der Sicherung der Infrastruktur einen Großteil der finanziellen Lasten zu tragen haben, sind mit dieser Aufgabe ganz offensichtlich längst überfordert.

25 Milliarden Euro wären notwendig, um die Straßen in den Kommunen wieder auf Vordermann zu bringen, auf 50 Milliarden werden die Kosten für die Sanierung der kommunalen Abwassersysteme geschätzt. 60 Milliarden Euro fehlen, um unsere Schulen auf einen zeitgemäßen Standard zu bringen.
Der Zerfall der Infrastruktur, von der momentan niemand weiß, wie er aufgehalten werden kann, droht eine beängstigende Spirale in Kraft setzen: Je mehr das Tafelsilber verrottet, desto unattraktiver werden die Kommunen für neue Gewerbeansiedlungen. Zwar entscheiden sich die meisten Betriebe bei ihrer Suche nach einem geeigneten Standort letztendlich für jenen, wo die so genannten „harten" Faktoren am besten stimmen — also die Kostenseite, die Verkehrsanbindung, die Marktsituation und das Angebot an entsprechend qualifiziertem Personal. Aber künftig werden auch die „weichen" Faktoren zum Tragen kommen - und damit Antworten auf die Frage, wie repräsentativ ein Wirtschaftsstandort ist und wie attraktiv für die Mitarbeiter eines Unternehmens. Kommunen mit Schlaglochpisten statt Gemeindestraßen, mit heruntergewirtschafteten Krankenhäusern, maroden Schwimmhallen, abgehalfterten Stadthallen und hässlichen Problemschulen werden in diesem Wettbewerb zwangsläufig schlechtere Karten haben als jene, die ihre Infrastruktur in Schuss halten.
Neue Rezepte sind gefragt, um diesen Prozess aufzuhalten. Ein solches Rezept kann die einvernehmliche Zusammenarbeit zwischen Industrie und Öffentlicher Hand sein. Aber für Unternehmen wie Kommunen gleichermaßen attraktiv kann das neue Teamwork nur sein, wenn Risiken und Nutzen gleichermaßen verteilt sind und nicht — wie man bisweilen den Eindruck hat — vor allem die Unternehmen im Erfolgsfall den finanziellen Nutzen ziehen und im Falle des finanziellen Misserfolges die Kommunen das Insolvenzrisiko des privaten Partners zu tragen haben. Für die Kommunen gilt zudem: Nicht die kurzfristige Liquidität darf die Entscheidung für oder gegen ein solches Projekt entscheiden, sondern die langfristige Rentabilität. Wer kein Geld in der Kasse hat, kann nicht bauen und nicht sanieren - auch nicht mit privatem Partner.
Wer es trotzdem tut, so steht zu befürchten, ist in ein paar Jahren vielleicht endgültig ein Fall für den Konkursrichter. .

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